Kunden erzählen …

Erfahren Sie hier aus erster Hand, mit welchen Herausforderungen meine Kund*innen konfrontiert waren, wie sie damit umgegangen sind und welche Lösung sie erarbeitet haben. In diesen abschließenden Prozessreflexionen geben meine Kund*innen Ihnen einen sehr persönlichen, tiefen Einblick in ihr Erleben und zeigen dabei unter anderem auf, wie sie meine Unterstützung erlebt haben. Sehr gerne stehe ich auch Ihnen mit meiner Expertise zur Verfügung.

Eigentlich ist es Aufgabe der Führungskraft, Konflikte in ihrem Verantwortungsbereich zu bereinigen. Doch was ist, wenn die Führungskraft selbst das Problem ist? Dann heißt es:

Alle gegen Einen!

Wichtig ist nun, dass die Führungskraft professionell mit der Mitarbeiterkritik umgeht. Doch das ist leichter gesagt als getan. Denn: Der Mensch ist ein soziales Wesen. Von Natur aus haben wir alle ein starkes Verlangen nach Zugehörigkeit. Stehen wir einem Team gegenüber, welches uns gemeinschaftlich kritisiert, ist unsere Zugehörigkeit zur Gruppe bedroht. Wir fühlen uns unverstanden, angegriffen und ausgegrenzt.

Und das tut weh.

Neurowissenschaftliche Experimente beweisen, dass Menschen sozialen Schmerz genauso erleben, wie körperlichen Schmerz.
Und genau von diesem Schmerz berichtet meine Kundin, wenn Sie erzählt:

„Ich habe mich erstmal zurückgezogen und meine Wunden geleckt.“

Sie wurde in einer anonymen Mitarbeiterbefragung massiv von ihrem Team kritisiert.

Lesen Sie hier das bewegende Interview das ich mit ihr geführt habe. Es führt uns eindringlich vor Augen, wie schwierig es ist, als Führungskraft mit einer geballten Ladung Mitarbeiterkritik umzugehen, was hilft und wie letztendlich doch eine Lösung möglich wird.

 

Wie haben Sie Ihre Führungssituation vor dem Konflikt wahrgenommen?

Ich hatte das Gefühl es läuft. Es war zwar nicht einfach, aber ich habe keine gravierenden Probleme gesehen. Unsere Zahlen waren gut und auch nach außen hin waren keine schwerwiegenden Probleme sichtbar.

„Ich hatte das Gefühl es läuft.“

Wie haben Sie von den Problemen erfahren?

Das ganze Haus war aufgefordert an einer anonymen Mitarbeiterbefragung teilzunehmen. In meinem Ergebnis stand dann ganz geballt drin, dass das Team in keinster Weise glücklich mit mir ist. Es haben alle in einer Sprache gesprochen, es ist keiner abgewichen.

„Für mich war ganz klar, dass sich die Mitarbeiter abgesprochen haben.“

Welche Gedanken und Gefühle hat das Feedback bei Ihnen ausgelöst?

Ich muss gestehen, da bin ich aus allen Wolken gefallen. Diese geballte Kritik hat mich schon tief getroffen. Da wusste ich nicht weiter. Ich war enttäuscht, dass keiner direkt auf mich zugekommen ist. Im Nachhinein denke ich: vielleicht sind sie sogar auf mich zugekommen? Auf alle Fälle habe ich es nicht gehört oder ich wollte es nicht hören? Ich weiß es nicht.

„Es war im ersten Moment blankes Entsetzen.“

Vor allem als mein Chef mich darauf angesprochen hat: „Mensch Frau Vogt (Name von der Redaktion geändert), was ist denn los?“ Ich konnte es ihm im ersten Moment auch nicht sagen. Er ist auch aus allen Wolken gefallen und ich auch. Der Schmerz saß tief. Ich identifiziere mich mit dem was ich tue und habe dann schon an mir gezweifelt.
Was mich am härtesten angegangen ist war die Frage, ob ich wirklich Führungskraft sein möchte. Das hat wehgetan.
Die Personalabteilung meinte dazu:
„Wenn Sie am Absprung sind müssen wir das Problem nicht mehr angehen.“

„Ich hätte am liebsten nur gekündigt, mich krankschreiben lassen und ab.“

Mein erster Gedanke war Flucht. In den ersten ein bis zwei Wochen danach hätte ich am liebsten nur gekündigt, mich krankschreiben lassen und ab. Obwohl das überhaupt nicht mein Stil ist. Aber mir war klar: das hätte mir nichts gebracht. Ich bin ein selbstkritischer Mensch und ich hätte mit dieser Schmach nicht leben können. Und ich wollte auf keinen Fall damit in den nächsten Job gehen.

Wie sind Sie mit der Information umgegangen?

Erstmal habe ich das Thema nicht im Team angesprochen. Nach etwa drei bis vier Wochen habe ich dann die Kraft gefunden, dem Team zu sagen, dass ich aufgrund der Umfrage eingesehen habe, dass wir ein Problem haben. Ich habe ihnen auch gesagt, dass ich von ihnen zur schlechtesten Führungskraft des gesamten Unternehmens gewählt wurde. Da kam keinerlei Reaktion aus dem Team. Obwohl wir durchaus ganz andere Brocken als Führungskräfte im Unternehmen haben, die deutlich schlimmer sind als ich. Die sind nicht so abgestraft worden.
Ich habe angekündigt, dass ich mich auf die Suche nach einem externen Coach für mich und uns begebe, mit dem wir das Problem angehen werden.

„Ich habe mich erstmal zurückgezogen und meine Wunden geleckt“.

Es kam während der ganzen Zeit wenig Reaktion vom Team. Keiner, der sich ein Herz genommen hat und mit mir darüber gesprochen hat, so und so haben wir es gemeint und gedacht.

Haben Sie sich von Ihrer Führungskraft unterstützt gefühlt?

Ja, mein Chef ist in dieser schweren Zeit hinter mir gestanden. Da war ich sehr dankbar.
Er hat sofort erkannt, dass – so vehement wie die Kritik war – ich das nicht alleine mit dem Team klären konnte. Es war sieben gegen eins und das hätte ich nicht verkraftet. Er meinte: „Da müssen wir auf jeden Fall professionelle Hilfe suchen.“ Nachdem ich ein paar Tage lang meine Wunden geleckt hatte, war das auch der Weg, den ich auf jeden Fall gehen wollte.
Gleichwohl war mir schon auch bewusst, wenn sich die Lage nicht gebessert hätte, dass er handeln muss. Er meinte, dass wir uns das Ganze jetzt mal ein Jahr anschauen und dann hätte ich auch noch seine Rückendeckung gehabt, wenn ich mich von dem Team trennen hätte wollen und trotzdem bei der Firma bleiben wollte. Man hätte dann eine Fachaufgabe für mich gesucht. Das hat mir schon geholfen.
Wenn von unten und von oben gesägt wird, wäre es noch schwieriger gewesen.

Können Sie den gesamten Weg beschreiben?

In den ersten Wochen war ich in einer Schockstarre. Da musste ich erstmal mit mir klarkommen, weil ich tatsächlich noch nie so einer vehementen Kritik ausgesetzt war. Ich habe das schon ziemlich als persönlichen Angriff empfunden.
Dann habe ich das Problem an der Wurzel gepackt. Ich habe mich dem Team und den Ergebnissen der Umfrage gestellt.

„Ich war noch nie so einer vehementen Kritik ausgesetzt.“

Im ersten Schritt hatten Sie ja mit jedem Mitarbeiter ein Einzelgespräch geführt. Das kam beim Team sehr gut an. Als ich das Ergebnis von Ihnen vorgestellt bekam sah ich es etwa gedrittelt:
Ein Teil war schlichtweg Blödsinn, also falsche Annahmen und Interpretationen meines Verhaltens, einen Teil kann man so und so sehen und zu einem Drittel hatte das Team definitiv Recht.
Ich hab dann auch gute Unterstützung von Ihnen bekommen. Unterstützung dahin gehend, dass ich vieles aussprechen konnte und Sie mir dann gesagt haben:
„Naja, gut, Sie sehen das jetzt so und so, aber Ihre Mitarbeiter interpretieren das jetzt schlichtweg anders.“ Das hat zwar im ersten Moment wehgetan, weil man möchte natürlich Recht haben und Recht bekommen. Aber Sie haben das sehr charmant aber doch zielführend rübergebracht. Während dessen habe ich mich als Führungskraft immer hinterfragt.
Es war dann nochmal sehr schmerzhaft, im ersten Team-Workshop die Kritik, die in den Einzelgesprächen Ihnen gegenüber geäußert wurde, nun noch einmal direkt von den Mitarbeitern zu hören. Und dann noch in Anwesenheit meines eigenen Chefs. Das war der zweite Zeitpunkt an dem ich nur noch fliehen wollte, wo ich echt gedacht habe, ab durch die Mitte. Wo mein Mann auch gesehen hat, wie tief mich das Ganze gekränkt hat. Wo er meinte: „Dann hör einfach auf zu arbeiten – kündige.“ Aber ich habe für mich gesehen, ich kann jetzt nicht einfach gehen. Mit so einer offenen Wunde – das schaffe ich nicht. Da kam wieder mein Ehrgeiz durch, der mich bis dahin gebracht hat. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich es angegangen bin. Denn danach ging es aufwärts. Ich habe wieder immer mehr Selbstvertrauen gefasst.

„Nachdem ich schon ziemlich tief im Tal war, ging es wieder aufwärts.“

Wodurch war das möglich?

Ich habe mir echt Mühe gegeben, mir meinen Schmerz nicht anmerken zu lassen. Jedem im Team einen guten Morgen zu wünschen und auch zu fragen, wie es ihnen geht und auch bisschen privat zu reden. Ich habe nie bohrende Fragen gestellt, das steht mir auch nicht zu, aber auch nicht ganz oberflächlich.

„Ich habe einfach Interesse gezeigt. Das kam sehr gut an.“

Im täglichen Doing habe ich den Konflikt nicht gespürt. Es lief. Es waren keine sonderlich großen Probleme da, es hat sich auch keiner gesperrt gegen das was ich gesagt habe oder wollte. Die Mitarbeiter kamen nach wie vor zu mir. Ich habe ihnen auch eine Plattform geboten, dass sie mit mir offen sprechen können und auch meine Tür war immer offen. Einige haben das bei Problemen, die sie untereinander hatten angenommen. Das hat mir gezeigt, dass noch oder wieder Vertrauen da ist. Ich habe mich auch den Anliegen angenommen. Ansonsten hatten wir auch ein gutes Miteinander – aber durchaus auch etwas reservierter von beiden Seiten.

„Ich habe mich trotzdem mittags manchmal dazu gesetzt.“

Das war auch immer sehr herzlich. Trotzdem war eine Hemmschwelle von beiden Seiten da. Doch das war auch okay. Ich muss nicht mit jedem in meinem Team best friend sein. Das war auch was, was Sie dem Team gesagt haben. Das hat das Miteinander im Team auch gestärkt, weil es durchaus auch im Team Konflikte untereinander gab.
Von daher war unser tägliches Miteinander versus dem, was sie im Interview zu Ihnen gesagt haben schon nochmal was anderes. Aber dann hat mir vor allem das Coaching bei Ihnen viel gebracht. Das wollten die Mitarbeiter auch alle, dass ich gecoacht werde. Das hat mir weitergeholfen.

„Die Mitarbeiter wollten, dass ich gecoacht werde.“

Was sind Ihre wesentlichen Erkenntnisse?

Mir wurde vorgeworfen, dass ich das Team nicht in Entscheidungen einbinde. Das hat rückwirkend sicherlich gestimmt, aber ich habe das nicht gemacht, weil ich meinem Team nicht vertraue, sondern weil ich es als meine Aufgabe als Führungskraft gesehen habe, Entscheidungen zu treffen. Das habe ich umgestellt. Wenn die Mitarbeiter heute mit einem Problem zu mir kommen, frage ich:

„Wie würdet ihr denn das machen?“

Das möchte ich gerne beibehalten. Ich höre mir den Lösungsvorschlag erst mal an. Finde ich ihn gut, bestätige ich den Mitarbeiter und ermuntere ihn, es so zu machen. Finde ich den Vorschlag nicht gut, nehme ich mir trotzdem das Recht einen anderen Weg vorzuschlagen.
Entscheidungen, die die Mitarbeiter auch selbst treffen können, wie beispielsweise Urlaubs- oder Sitzverteilung lasse ich zunächst im Team lösen. Nur wenn sie sich nicht einigen können treffe ich die Entscheidung. Ich schildere die Lage und bitte um Lösungsvorschläge des Teams.

Was waren die wesentlichen Erfolgsfaktoren für die Lösung?

Unser Miteinander ist professioneller geworden. Ich war mir schon immer bewusst, dass man als Führungskraft nicht mit jedem super gut befreundet sein kann. Weil man halt doch mal eine Entscheidung treffen muss, die der Mitarbeiter vielleicht nicht so gut findet. Auf der anderen Seite denke ich, dass die Kollegen gemerkt haben, ich bin trotz allem die Chefin.

„Ich habe die Kritik der Mitarbeiter ernst genommen und mich intensiv damit auseinander gesetzt.“

In moderierten Gesprächsrunden haben wir uns zusammengerauft. Auf dieser Basis hätten wir jetzt gut weiterarbeiten können. Mir hat es immer imponiert, wenn die Mitarbeiter weiterhin mit ihren Problemen und Fragen zu mir gekommen sind. Da hatte ich immer ein offenes Ohr. Das hatte ich auch vorher, aber nach dem Konflikt noch mehr und viel bewusster. Ich habe auch teilweise noch mehr Feedback gegeben aus meinen Jour fixen mit meiner Führungskraft. Das hat die Lage entspannt. Mir wurde auch gesagt, dass sie merken, dass ich entspannter bin. Es tauchen immer wieder Probleme auf. Wir reden mehr miteinander, meine Mitarbeiter schätzen, dass ich mich für sie einsetze und jeder merkt, dass ich niemanden den Kopf abgerissen habe. Da haben wir eine gute Basis gefunden um zusammenzuarbeiten.
Inzwischen habe ich mir eine neue Stelle gesucht.

„Alle waren komplett überrascht, dass ich gekündigt habe.“

Das fand ich persönlich ein bisschen naiv, weil mir steht immer frei, wie jedem meiner Mitarbeiter, wegzugehen.

Haben Sie wegen dem Konflikt gekündigt?

Gute Frage. Ich sag mal Jein. Ich wollte schon immer zurück in meine Heimat. Der Konflikt war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Ich habe die Situation gemeistert. Und ich hatte die Rückendeckung von meinem Chef und ich bin erst gegangen, als wir wieder ruhiges Fahrwasser hatten. Das war mir dann auch rückwirkend gesehen wichtig.

Wie haben Sie den Prozess abgeschlossen?

„So wie du jetzt führst, passt es“

meinte mein Team einheitlich zum Abschluss. Ich war ein wenig enttäuscht, wie wenig konkretes Feedback ich von meinem Team abschließend bekommen habe.
Ich bin die letzten Schritte tatsächlich für mich gegangen und was mir am meisten am Ende geholfen hat waren die Kapitel aus dem dritten Modul im Online-Selbstlernkurs.
Am Prägensten waren die Werkzeuge im Modul III.

Können Sie etwas zur Arbeit mit dem Online-Selbstlernkurs sagen?

Insgesamt zum Online-Selbstlernkurs fand ich es erstaunlich, wie zielsicher Sie es geschafft haben, die richtigen Fragen zu stellen. Ich habe mir immer gedacht: „Mein Gott, die Frau kennt ja meinen Konflikt komplett.“ Derweil haben Sie den Kurs ja völlig losgelöst von meiner Situation für alle Kritiksituationen die zwischen Führungskraft und Team entstehen können erstellt. Das hat mir zum einen die Sicherheit gegeben, dass es ein gutes Instrument ist, denn man weiß ja nie, was da mit so einem Kurs auf einen zukommt. Wichtig war für mich auch zu erkennen, dass es nicht nur mir so geht. Das ist tröstlich. Dass es nicht nur einem selbst so geht, sondern auch anderen.
Ich habe die Reflexionsfragen sehr gerne beantwortet, weil ich dann meine Situation noch mal strukturiert reflektieren und für mich alles Revue passieren lassen konnte. Es hat mir einfach geholfen. Von einem Level zum anderen.
Im Level 2 war mal etwas, wo ich mich nicht so damit identifizieren konnte, aber das haben Sie ja auch immer gesagt, dass sowas mal vorkommen kann.
Insgesamt fand ich den Online-Selbstlernkurs wirklich hilfreich.

Was würden Sie einer anderen betroffenen Führungskraft raten?

Rückblickend glaube ich, war es gut, dass ich mir erstmal für mich Zeit genommen habe, erst mal meine Wunden zu lecken. Nicht gleich das Problem angehen. Versuchen so neutral wie möglich mit dem Team umgehen, am besten so wie immer, einfach alles erstmal auf dem Status Quo belassen und zu sich selbst finden. Natürlich das Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen. Im besten Fall unterstützt er einen, hat die Situation vielleicht selber durchgemacht. Und tatsächlich, wenn man die Kraft dazu hat, das Problem angehen.

„Die größte Botschaft, die ich aus dem ganzen Konflikt mitgenommen habe ist, dass das Problem tatsächlich lösbar ist.“

Nicht weglaufen, sondern sich der Situation stellen. Schauen, dass man die Kraft findet um wirklich in dieses Lernen zu gehen, um die Führungsrolle professioneller zu bedienen und dann auch den Erfolg mitzunehmen.

„Es ist lösbar und es macht Sinn, den Weg zu gehen.“

Definitiv: sich nicht von Selbstzweifeln zerfleischen zu lassen. Da habe ich sicherlich einen Hang dazu. Das wäre aber nicht gut gewesen.

Was hat Ihnen da geholfen, immer wieder einen Stopp zu setzen?

Sicherlich die Gespräche mit meinem Mann, der völlig erstaunt war, wie hart mich diese Kritik trifft. Nach dem Motto:
„Mei, sind halt Mitarbeiter. Nimm´s nicht so persönlich!“ Der dann aber schon auch meinte: „Komm greif an, gib nicht einfach so kampflos auf. Das bist du eigentlich nicht.“ Das hat mir auf jeden Fall geholfen.
Ich habe mich auch innerhalb der Firma nur 2-3 Kollegen geöffnet. Die waren genauso entsetzt wie ich. Die kannten mich gut. Das hat mich auch noch mal bestärkt. Selbst wenn ich im Kurs gelernt habe, dass das diese Glocke ist, unter der man sitzt.
Aber es hat mir Kraft gegeben und natürlich weiß ich auch, dass diese Einschätzungen sehr subjektiv waren. Aber man ist ja trotzdem noch Mensch und es hat mir geholfen.

„Man braucht gute Freunde, denen man sich öffnen kann.“

Was auch ein guter Tipp war – was ich allerdings nicht wahrgenommen habe – ist diese psychologische Begleitung. Da war ich aber tatsächlich mal kurz davor. Als ich solche Gedanken gegenüber meinem Mann geäußert habe war er schon sehr erstaunt. Er hat daran gemerkt, wie tief das bei mir ging.

Wie haben Sie das Coaching empfunden?

Wenn ich aus der Arbeit ins Coaching gegangen bin, habe ich das immer offen kommuniziert. Dann meinten meine Mitarbeiter: „Viel Spaß, das ist doch bestimmt toll für dich.“ Dann habe ich gemeint: „Klar freue ich mich auf das Gespräch mit Frau Wawrzinek. Aber nur angenehm ist das nicht.“ Nicht wegen Ihrer Person sondern einfach die Themen, die wir besprochen haben, die Situationen die ich geschildert habe und das Feedback, das Sie mir dazu gegeben haben. „Ich verstehe Ihre Seite, aber Sie müssen auch die Seite der Mitarbeiter verstehen…“ Sie haben mir immer die Seite der Mitarbeiter sehr geöffnet. Was nicht immer einfach war, trotzdem hilfreich. Ich muss gestehen, ich bin immer nach zwei Stunden Coaching mit Ihnen platt rausgegangen. Wirklich mit mehr Erkenntnis aber eine Spaßveranstaltung war das nicht. Ich habe es schon als Arbeit empfunden.

In jeder Krise steckt eine Chance Was war denn da möglicherweise die Chance an der ganzen Misere?

Ich glaube, noch mal einen anderen Blick auf sich selbst als Führungskraft zu bekommen. Dass man tatsächlich von den Mitarbeitern nicht nur als Mensch sondern auch als Rollenträger gesehen wird. Andererseits auch, dass die Mitarbeiter auch nur Menschen sind. Dass man lernt zu differenzieren welche Kritik nimmt man an und welche nicht. Das denke ich, habe ich gelernt. Wenn ein Mitarbeiter etwas anders sieht, einfach nur, weil ich ihn vorher kritisiert habe, da bin ich besser geworden. Da habe ich mehr Selbstvertrauen gewonnen.

„Ich habe meinen Frieden damit gemacht.“

Ich weiß, dass ich gewachsen bin, dass ich Fehler gemacht habe, stehe natürlich jetzt sehr viel vorsichtiger der neuen Führungsaufgabe gegenüber, aber auch gestärkter.
Ich habe zu meiner Kraft zurückgefunden und erkannt, dass ich keine so schlechte Führungskraft bin. Ich bin sicher jetzt vorsichtiger aber ich werde meinen Weg gehen.

Dieses Tal haben Sie sehr erfolgreich durchschritten. Gratulation!

Dankeschön!
Ich hatte die Kraft dazu und bin sehr dankbar dafür. Auch dass meine Firma und mein Chef mir die Möglichkeit gegeben haben, das Geld zu investieren, dass er an mich geglaubt hat und ich Gott sei Dank auch eine gewisse Stärke mit rausgenommen habe, sicherlich vieles dazu gelernt habe und ich denke, jetzt auch professioneller bin. Professioneller mit Kritik umgehe, die an mich herangetragen wird, aber auch mit Kritik die ich an meine Mitarbeiter richten werde. Selbst wenn ich mich gut genug kenne, dass es für mich nie einfach sein wird, Kritik zu äußern.
Ich muss rückblickend sagen, dass es mir sehr geholfen hat, dass Sie an meiner Seite standen und als neutraler Coach aufgetreten sind.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei meiner Kundin, für ihre Bereitschaft ihre Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse mit uns zu teilen und ich wünsche ihr von ganzem Herzen alles Gute.

Während „The Power Of Love“ gerne und vielfach besungen und besprochen wird, führt die andere Seite der Medaille, die Macht und die Kraft von Konflikten eher ein Schattendasein. Klar, die verherrenden Auswirkungen von kriegerischen Handlungen sind uns allen bewusst. Doch wie verhält es sich mit unseren eigenen Verstrickungen in zwischenmenschlichen Konflikten, beispielsweise am Arbeitsplatz? Hier werden wir von der Tragweite häufig überrascht, sorgen deswegen nicht gut für uns und wissen meist auch nicht, wie wir uns am besten verhalten sollen.

„Es war eine ganz schreckliche Erfahrung die ich gemacht habe mit einer Chefin die einen Führungsstil hatte, mit dem ich überhaupt nicht klargekommen bin, von dem ich mich erpressen und manipulieren habe lassen“, resümiiert eine Kundin am Ende unserer Zusammenarbeit.

Lesen Sie hier das bewegende Interview, dass ich mit ihr geführt habe. Es führt uns noch einmal eindringlich vor Augen, wie sehr wir in einem Konflikt verstrickt werden, welche Auswirkungen das auf unsere Lebensqualität hat und was es braucht um sich Schritt für Schritt daraus zu befreien.

 

Wie war die Ausgangssituation?

Bis zu dem Konflikt hatte ich immer sehr reibungslose, schöne Beziehungen sowohl zu meinen Vorgesetzten als auch zu meinen Kollegen. Ich hatte bis dahin das Glück, dass ich nie in irgendwelche schwierigen Konfliktsituationen hineingeraten war. Als mich meine Chefin Michaela (Name von der Redaktion geändert) als Teamleitung ausgewählt hatte, habe ich mich darüber gefreut. Wir hatten gute Gespräche über das was sie so plant und vorhat, welche Stärken sie an mir schätzt und wo ich mich noch entwickeln kann und soll. Ich habe mich gut gefühlt und darauf eingelassen.

„Ich kam aus einer heilen Welt“.

Nach und nach wurden die Gespräche schwieriger und angespannter. Besonders wenn wir unterschiedliche Ansichten hatten. Sie war dann nicht mehr aufnahmefähig, fühlte sich verletzt und in ihrer Autorität angegriffen. Dann hat ein Wechsel im TopManagement stattgefunden und Michaela berichtete nun an eine internationale Vorgesetzte. Von da ab wurden die Konflikte schlimmer und die Fronten verhärteten sich.

„Das Verhalten meiner Chefin brachte meine Welt ins Wanken“.

Es war nicht mehr erwünscht, eine eigene Meinung zu haben bzw. konstruktiv Gespräche zu führen, sondern es wurde innerhalb kürzester Zeit sehr autoritär. Das war für mich sehr erschreckend, weil ich es vorher einfach anders erlebt hatte. Ich wurde von meiner Vorgesetzten zusammen gebrüllt, erpresst und manipuliert. Die Konfrontation und das Abhängigkeitsverhältnis zu einem Menschen, der cholerische Anfälle hat und sich selbst nicht im Griff hat, war furchtbar. Schließlich ist sie als meine Führungskraft weisungsbefugt und kann mich bewerten.

Welche Auswirkungen hatte das im Job?

Erstmal habe ich an mir selbst gezweifelt und mich gefragt, ob es an mir liegt, dass ich angeschrien werde. Ich fühlte mich in den Auseinandersetzungen mit Michaela so klein gemacht, dass ich zum Teil selber nicht mehr geglaubt habe, dass ich was auf die Reihe kriege. Das hat meinen Selbstwert und mein Selbstbewusstsein tief erschüttert. Ich wusste nicht mehr, was ich kann bzw. nicht kann.

„Mein Selbstbewusstsein war im Keller“.

Die Situation war für mich schrecklich. In dieser Zeit hatte ich das Gefühl, überhaupt nicht mehr richtig atmen zu können und auch neben mir zu stehen. Ich bin morgens nicht mehr aufgestanden und habe mich auf die Arbeit gefreut sondern hatte richtige Ängste, was wohl wieder auf mich zukommen wird. Was werde ich für Gespräche haben mit meiner Vorgesetzten? Was hat sie sich heute überlegt? Wie wird es mir gehen? Wie komme ich aus den Situationen raus.

„Ich war wie ein ängstlicher Hase auf der Flucht“.

Es war immer ein Dauerzustand der Angst, mit permanenten Schweißausbrüchen. Ich war überhaupt nicht mehr Herr der Lage. Das rationale Denken hat nicht mehr stattgefunden. Ich habe nur noch reagiert und Haken geschlagen und versucht möglichst schnell aus den Situationen rauszukommen, damit ich keine langen Aufenthalte mit ihr gemeinsam im Raum hatte.

Welche Auswirkungen hatte das im Privatleben?

Das hatte immense Auswirkungen auf mein Privatleben. Ein grauer Dunst zog über meine Welt. Ich hatte keine Energie mehr um mich um mich selber und um meine Familie zu kümmern. Ich hatte keine Lust mehr Sport zu machen. Ich hatte keinen Spaß mehr daran mich mit Freunden zu treffen und weg zu gehen.
Ich hatte im Urlaub immer Anspannung und keine Erholungsphase, weil ich schon wieder gedacht habe, irgendwann ist der Urlaub jetzt zu Ende und ich komme nach Hause zurück und muss wieder in die Arbeit und es wird so weitergehen und ich habe einfach einen Ekel und Angst davor. Ich hatte keine Freude mehr. Ich war dauerhaft angespannt.
Ich war gereizt, ich hab keine Zeit und Energie mehr gehabt, etwas Schönes zu unternehmen und irgendwie hat sich auch das Schöne vor mir verschlossen. Ich habe die Welt und meine Umgebung nicht mehr in schönen bunten Farben gesehen, sondern alles war nur noch vom Konflikt dominiert. Ich hatte keine schönen, befreienden Momente mehr und es ging ganz klar in Richtung Depression.

Wie war der Einfluss auf den Kontakt mit Ihrer Tochter?

Bedauerlicherweise war ich als Mutter neben mir gestanden, hab versucht grob zu funktionieren, die Versorgungspipeline aufrechtzuerhalten.

„Meine Welt hatte keine bunten Farben mehr“.

Im Sinne von: ich krieg´s gerade noch geregelt ihr das Frühstück zu machen, sie auch in die Schule zu bringen und auf dem Schirm zu haben, wann sie nachmittags heimkommt. Aber dieses Interaktive mit meinem Kind hat zeitweise nicht mehr stattgefunden, weil ich mit den Gedanken wo anders war.
Ich war ihr gegenüber gereizt. Wenn sie ein Problem hatte oder in der Schule mal meine Hilfe gebraucht hätte, im Detail mal in Ruhe ihre Schulaufgaben durch zu gehen – ich hatte die Energie einfach nicht.
Die Schwierigkeit war ja, wenn ich zuhause war, abzuschalten. Ich war physisch zuhause, aber geistig noch mit Dingen aus der Firma beschäftigt. Was wird und wie bereite ich mich darauf vor? Diese Fragen habe ich versucht krampfhaft und mit wahnsinnig viel Energie wegzudrängen, um mich auf meinen Alltag und meine Familie zu konzentrieren. Das war sehr schwierig und das habe ich nicht gut hingekriegt.

Gab es einen bestimmten Wendepunkt?

Ja, es gab diesen Moment. Ich hatte ein ganz schlimmes Gespräch mit meiner Vorgesetzten. Ich bin weinend aus der Firma raus, dachte mir, das war es jetzt. Die hat mich so runtergebügelt, wurde laut, cholerisch und aggressiv. Es ging mir elend.

„Für meine Tochter tut es mir wahnsinnig leid“.

Ich bin in den Hort gefahren und hab mein Kind abgeholt. Ich bin neben mir gestanden. Sie kam aus dem Raum raus und ich habe vor…(weint) Es tut weh. Das geht mir immer noch sehr nahe.
Der Schlüsselmoment war als meine Tochter aus dem Gruppenraum herauskam und freudestrahlend auf mich zu ging. Ich konnte keine Freude widerspiegeln, weil ich das Erlebnis mit meiner Vorgesetzten hatte und habe vor ihr angefangen zu weinen. Wie jetzt eben auch, so ein emotionaler Ausbruch. Da kam das ganze Erlebte nochmal hoch, was mir eine Stunde vorher widerfahren war und ich konnte mich nicht zusammenreißen. Dieses schlimme Gefühl war so dominant, dass ich vor meinem Kind einfach weinen musste. Meine Tochter was so erschrocken und hat mich angekuckt und hat tatsächlich geglaubt, es ist etwas ganz, ganz Schlimmes passiert. Nämlich es ist jemand aus der Familie verunglückt oder verstorben, also etwas ganz Massives. Derweil war es ein Erlebnis mit meiner Vorgesetzten.

„Der Gesichtsausdruck meines Kindes war so schockierend“.

Das war für mich das aufwachen: so geht es nicht! Nicht mehr für mich und nicht mehr für meine Familie. Das meine Familie sieht, dass ich gerade fertig gemacht werde bzw. dass ich mich gerade fertig machen lasse. Das wird sich ändern müssen. Der Gesichtsausdruck meines Kindes war so schockierend. Den habe ich immer noch vor mir. Weil sie tatsächlich geglaubt hat, dem Papa ist was wiederfahren oder der Oma ist was passiert, jemand liegt im Krankenhaus, etwas das wirklich schlimm ist und das war es ja nicht. Ein Gespräch zwischen meiner Vorgesetzten und mir, das mich so belastet hat, dass ich weinen musste. Und da habe ich entschieden: da muss ich Abstand gewinnen, da muss ich raus, da muss sich was ändern.

Gab es einen Krankenstand?

Nach diesem Vorfall bin ich psychisch zusammengebrochen und war drei Wochen im Krankenstand. Ich hatte körperlich massive Beschwerden – auch später immer wieder.

„Ich litt unter starken Gefäßschmerzen am ganzen Körper, hatte Verkrampfungen und Muskelschmerzen“.

Die Situation hat mich körperlich so in den Bann genommen, dass ich nicht mehr in der Lage war Sport zu machen. Das hat mich alles wie so eine Faust zusammengedrückt, dass ich von der Arbeit gekommen bin und mich nur noch hingelegt habe und versucht habe zu schlafen. Ich habe mich nicht mehr um meinen Körper gekümmert, dass ich in Bewegung bleibe oder mir schöne Dinge angedeihen lasse. Da war ich häufiger krank. Letztes und vorletztes Jahr.

Haben Sie sich Hilfe geholt?

Die größte Hilfe fand ich im Coaching. Die schrittweise Bearbeitung der Situationen die ich erlebt habe und auch das schrittweise Herauskommen aus den Situationen. Das war für mich der hilfreichste Prozess.

Wie kam es zu dem Coaching?

Nach diesem für mich schrecklichen Ereignis musste ich mit Michaela noch mal darüber reden. Das habe ich auch getan. Und ich habe auch mit ihrer Vorgesetzten gesprochen. „Wir haben eine schwierige Situation zu bewältigen und da hätte ich gerne eine Art Coaching, das mich begleitet und mir Hilfestellung gibt, wie ich Konfliktsituationen lösen kann“.

„Die größte Hilfe fand ich im Coaching“.

Der Auftrag war allerdings nicht ganz klar und transparent. Michaela war der Ansicht, ich brauche ein Coaching, weil ich einfach nicht spure und ihren autoritären Führungsstil nicht verkrafte, weil ich viel zu emotional bin. Deswegen hat sie mir dieses Coaching gewährt. Wir haben dieses Coaching beantragt mit dem Ziel, ich werde soweit gecoacht, dass ich wieder unter ihr funktioniere. Ich habe meinem Coach natürlich die Situation aus meiner Sicht erklärt. Das Coaching wurde von Michaela genehmigt und es wurde noch einmal von ihrer Vorgesetzten verlängert, weil ich ihr Rückmeldung gegeben habe, dass mir dieses Coaching unheimlich gut tut. Ihr gegenüber war ich offen. Habe gesagt: „Dieses Coaching hilft mir schwierige Situationen mit meiner Vorgesetzten durchzustehen“. Sie hat geschluckt, aber hat es begriffen und verstanden und verlängert.

Haben Sie sich zum Coaching noch weitere Hilfe gesucht?

Ja. Ich gehe zusätzlich alle 14 Tage – inzwischen alle drei Wochen – regelmäßig für eine Stunde zu einer Psychologin. Später kam noch körperliche Hilfe dazu. Da habe ich jetzt noch das Yoga und Pilates.

Wann haben Sie die private Unterstützung initiert?

Zeitgleich mit dem Coaching.

Warum haben Sie sich privat auch noch Hilfe geholt?

Ich war im Anschluss an dieses Ereignis drei Wochen krank. Mein Arzt hat mir geraten mir von der Krankenkasse noch eine Hilfe zu holen. Ich war am Anfang etwas reserviert, weil ich voreingenommen war und dachte, ich krieg das doch selber auf die Kette, da brauche ich doch keine Psychologin. Aber ich habe auch eine gute Freundin, die Psychologin ist und die hat mir auch geraten das in Anspruch nehmen. Und bereits nach zwei Sitzungen hat sich das auch gezeigt, dass mir das unheimlich hilft und ich hab mich auch immer riesig gefreut und wenn ein Termin ausgefallen war hat mir das gefehlt.

„Mit der Zeit wurden die Grenzen aufgebrochen“.

Das war so eine enge Begleitung am Anfang, die mir darüber Bestätigung gegeben hat, dass ich mit meinem Verhalten keineswegs falsch liege, dass mit mir alles in Ordnung ist, dass ich einfach jetzt in einer schwierigen Situation bin und dass es nur eine Situation ist, in der ich mich befinde und dass mit mir menschlich und im Tieferen alles stimmig ist. Weil ich ja manchmal gezweifelt habe, ob ich selber eine Wesensveränderung habe, weshalb meine Vorgesetzte so in der Art und Weise auf mich reagiert.

Was war der Unterschied zwischen dem Coaching und der Therapie?

Das Coaching ist weitaus präziser und professioneller hinsichtlich der Dinge, wie solche Konfliktsituationen entstehen können. Wir haben beleuchtet, wie es überhaupt zu solchen Konfliktsituationen kommt. Was muss vorliegen, damit es zu solchen verhärteten Fronten kommen kann. Das Abbild von den Persönlichkeiten und das Zusammenspiel von allem. Das hat mir geholfen besser zu verstehen, warum es so ist, wie es ist und wie ich dem im Job begegnen kann. Bei der Psychologin ging es rein nur um mich und mein Befinden. Ich habe mir die Dinge von der Seele geredet und dann haben wir versucht, Entspannung zu finden. Da ging es nicht darum die Ursache und Lösung für den Konflikt auszumachen, sondern mein persönliches Befinden zu verbessern. Wie kann ich mich abgrenzen, wie kann ich eine Mauer ziehen und wie kann ich Mechanismen entwickeln, dass gewisse Dinge nicht mehr so nah an mich rankommen. Wie komme ich da gesund raus. Was aber dann später auch Teil des Coachings war.

Wie war Ihr Entwicklungsprozess im Coaching? Wie sind Sie hingekommen, was hat sich langsam entwickelt, was wurde Ihnen zunehmend klar?

Zu Beginn des Coachings war es erstmal so: Statusaufnahme – wie ist meine Situation. Und da habe ich erstmal deutlich beschrieben, wie geht es mir, wie fühle ich mich, es ist alles aussichtslos und es gab viele Tränen und viel schlimmes Revue passieren lassen und Ohnmacht. Mit der Zeit wurden die Grenzen aufgebrochen. Ich lernte, über den Tellerrand zu blicken, ich erkannte, dass ich nicht im Gefängnis bin sondern Handlungsspielraum habe. Ich habe gemerkt, dass ich in einem Beziehungsnetzwerk stecke und durchaus die Fernsteuerung in der Hand halte. Das war so ein langsames sich entwickeln: wie stehe ich in der Welt und was ist mir wirklich wichtig. Was ist mir nicht so wichtig, was kann man auch so an den Rand schieben. Da hat sich auch die Situation immer mehr an den Rand verschoben. Diese Situation war ganz am Anfang direkt zentral in mir drin, ich habe mich damit komplett identifiziert und alles andere ausgeblendet.

„Ich erkannte, dass ich nicht im Gefängnis bin sondern Handlungsspielraum habe“.

Mit der Zeit als das Coaching weiter vorangeschritten ist, habe ich bemerkt, ich bin für mich eine Person, ich habe ein Umfeld und das Umfeld ist meine Familie, mein Kind, mein Mann, meine Eltern, meine Freunde. Da haben wir so Kreise an das Flipchart gemalt und meine eigentliche Sorge mit meiner Vorgesetzten und mit meinem Job ist immer weiter an den Rand geschoben worden. Ich war daraufhin in der Lage von Stunde zu Stunde anders zu priorisieren. Ich kann jetzt nicht sagen, dass es im Hintergrund war. Es war mir nicht alles egal, aber es hat einen anderen Stellenwert bekommen. Von einer Sitzung zur anderen. Die ersten vier, fünf Sessions waren noch von der Situation dominiert, aber die Türen gingen auf und es war nicht mehr das allumfassende wichtigste von der Welt. Das Wichtigere rückte in den Vordergrund. Das war dann ich selber, meine Gesundheit, mein Leben an sich, der Spaß am Leben. Das war ein schrittweiser Prozess.

Wie haben Sie das zunehmend in Ihrem Leben gefühlt? Was hat diese kognitive Erkenntnis in Ihrem Leben ausgelöst?

Das war toll. Es gab einen Punkt im Spätsommer letzten Jahres, an dem ich wieder erkannt habe, das Leben ist lebenswert und die Düsterkeit verschwindet. Ich hatte das Gefühl, dass ich monatelang ferngesteuert im Dunkeln gelebt hatte und hoffnungslos war und nicht mehr Herr meiner Fähigkeiten und meiner Selbst. Sondern dominiert von der Situation an sich.

„Und auf einmal hatte ich wieder das Gefühl, ich lebe und ich mache einen Spaziergang im Wald“.

Ich stellte fest, es ist hell, die Sonne scheint und es ist mein Leben. Ich habe Handlungsspielraum und mein Leben im Griff bzw. unter Kontrolle. Was ich lange überhaupt nicht hatte. Ich hatte überhaupt nicht das Gefühl, ich hab Handlungsspielraum und kann die Situation beeinflussen, sondern die Situation steuert mich und macht mir das Leben zur Hölle. Das war ein Erlebnis im Sommer. Mehrere Tage, wo ich wieder viel mit Freunden unterwegs war und auch im Urlaub so eine Phase. Ich war mit meiner Familie am Meer und das Leben war schön. Es gab das Leben wieder. Es gab die Helligkeit, das gute Essen, die guten Gespräche, die schönen Momente mit meiner Familie und meinen Freunden und das war lange davor nicht mehr der Fall. Und da ist mir eben klar geworden, so soll mein Leben aussehen und so möchte ich es auch wieder haben. Ich hab dann auch die Kraft entwickelt, das so für mich zu steuern und entsprechend zu priorisieren. Ich habe Probleme mit meiner Vorgesetzten, ich habe Probleme in meiner Arbeit, aber das ist nur ein kleiner Aspekt. Und den krieg ich hin und alles andere kann schön sein, wenn ich es zulasse.

Sehr schön – Freude (gemeinsames lachen)

Sie haben auch unheimlich viel dafür getan für diesen Erfolg. Was war Ihr eigener Beitrag?

Der erste Schritt war, sich Hilfe suchen. Das war das Coaching und die psychologische Betreuung und Beratung.

„Sie stand vor der Tür und hat gesagt, wir gehen jetzt zu Pilates“.

Ich habe mich bemüht, den Schwerpunkt in meinem Leben wieder zu verlagern. Das wurde immer besser, nachdem ich mir klargemacht habe: mein Kind wird größer, mein Kind braucht mich jetzt und es ist wichtig. Ich habe die Priorität eindeutig auf meine Familie gesetzt.
Wenn ich zuhause war, hab ich versucht wirklich zu hundert Prozent für mein Kind da zu sein. Das war so ein ganz langsamer Aufbau, wo sich der Schwerpunkt wieder verlagert hat. Bei Terminanfragen am Nachmittag hab ich versucht klarzumachen, dass ich keine Zeit habe, einen Termin mit meinem Kind habe oder ich bin zu Hause, meine Arbeitszeit ist zu Ende, ich bin für meine Familie da. Diese schrittweise Trennung zwischen der Konfliktsituation in der Arbeit und Zuhause habe ich versucht nach und nach wieder aufzubauen und versucht mich auch gedanklich davon zu lösen.
Zudem habe ich wieder angefangen über das Problem mit meinen Freunden zu sprechen. Ich habe Meinungen eingeholt und mich ausgetauscht. Das hat mir unheimlich geholfen, mich bestätigen zu lassen, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich habe mich von meiner Freundin motivieren lassen. Die hat mir immer wieder in den Popo getreten, wenn ich wieder keine Lust und Energie hatte. Sie stand vor der Tür, hat gesagt, wir gehen jetzt zu Pilates. Das war gut.
Ich hab nach einer Weile wieder die Kraft gefunden, mich bei Yoga und Pilates anzumelden. Das ging in der ersten Runde wieder in die Hose, weil ich mich wieder von der Situation einnehmen habe lassen. Habe die ersten zwei Sessions verpasst, weil ich keine Lust hatte. Ich saß zuhause und habe mich über mich geärgert. Mein Mann hat gesagt, jetzt hockst du wieder zu Hause und jetzt geht es wieder los. Das „jetzt geht es wieder los“ hat mich aufgeschreckt, weil ich wollte nicht, das es wieder losgeht. Dann habe ich mich zusammengerissen. Augen zu und durch. Ich war in Yoga und danach ging es mir blendend. Daran habe ich mich beim nächsten Mal erinnert, habe mich überwunden. Ich mache Yoga und Pilates am Wochenende, ich arbeite nicht sondern gehe raus, treffe Freunde. Es war Arbeit aber es hat sich gelohnt. Ich habe versucht, Kraft zu entwickeln.

Wo stehen Sie heute?

Heute stehe ich ganz woanders als vor eineinhalb Jahren. Ich bin sicherlich noch nicht komplett über dem Berg, aber vielleicht nahezu. Ich bin selbstbewusster, ich priorisiere ganz klar. An erster Stelle kommt meine Familie und alles was in der Firma passiert ist zweitrangig. Das klingt für den Arbeitgeber vielleicht fürchterlich. Aber es gibt mir Kraft für schwierige Situationen in der Arbeit.

„Ich weiß, was gut und was schlecht für mich ist, wo ich hin will und wo ich gar nicht hin will“.

Meine Vorgesetzte war jetzt auch lange krank und ich habe die Konfrontation nicht mehr gehabt. Ich konnte mich voll und ganz darauf konzentrieren wie ich mich von der Konfliktsituation löse und mich weiterentwickle. Den ganz normalen Umgang mit so schwierigen Situationen finden. Das wird vielleicht wieder schwieriger, wenn sie zurückkommt. Aber ich bin gefestigter. Ich weiß was ich will und was ich kann. Ich kann meine Grenzen besser einschätzen und erkennen, bis wohin ich gehe und was mir zu viel ist. Ich bin auf dem Weg, dass ich da eine klare Linie ziehe. Das hat mich für mich sehr gefreut. Ich habe Ehrfurcht davor, dass ich noch mal in so eine Situation reinkomme. Ein leichtes Zittern bleibt.

Man sagt ja auch: In jeder Krise liegt eine Chance. Würden Sie das mit dieser Erfahrung bestätigen? Und was war die Chance Ihrer Krise?

Das kann ich heute bestätigen. Als Sie mir das das erste Mal gesagt haben, konnte ich es nicht glauben, weil ich dachte, warum muss ich da durch nur um später festzustellen, es hatte was Positives. Das konnte ich zu dem Zeitpunkt ganz und gar nicht sehen. Im Moment sehe ich es anders. Es hat einen Entwicklungsprozess bei mir ausgelöst. Ich bin eher ein zurückhaltender, schüchterner Mensch, der seine Meinung nicht hinterm Berg hält aber in adäquater Weise äußert und wenn es nicht unbedingt sein muss, äußerte ich sie auch nicht. Inzwischen ist es anders.
Wenn ich eine Meinung habe und denke ich muss das äußern, dann tue ich das auch. Es ist zwar noch immer so, ich versuche dabei das Wohl der Anderen im Blick zu haben. Aber es geht immer mehr in die Richtung: es geht nicht nur um das Wohl der Anderen sondern auch um mein Wohl. Diese Rationalität habe ich entwickelt. Hundertprozentig kann ich sie sicherlich noch nicht so leben, aber ich komme da hin. Denn ich merke, es bringt mir gar nichts, auf alle einzugehen und Abstriche zu machen für die, die nicht zu meinem Familien- oder Freundeskreis gehören. Ich versuche den Mittelweg zu finden, den gibt es nicht immer und dann ist die Notlösung eben gegen die anderen. Es ist besser für mich. Da bin ich mit mir im Reinen.

Was würden Sie Menschen raten, die gerade in einer ähnlichen Situation stecken?

Ich würde den Menschen Ihre Telefonnummer geben. (beide lachen) Sie haben mir unheimlich geholfen.
So schnell wie möglich Hilfe suchen in Form eines guten Coachings und einer guten psychologischen Unterstützung. Da hatte ich das Glück, dass ich gleich einen guten Coach gefunden habe mit dem ich klar kam und wo ich mich entwickeln konnte.

„Es gab viele Tiefen aber im Endeffekt habe ich an Höhe gewonnen“.

Aber das ist das A und O nicht zu lange zu warten mit dem Coaching. So schnell wie möglich die Probleme aufzuarbeiten, sich Hilfe zu holen, sich bestätigen zu lassen. Wenn man zu lange wartet nimmt man Schaden. Wenn man sich selbst zerfrisst und sich unter Umständen selbst in Frage stellt. Das dauert halt dann länger, um wieder aufzubauen.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei meiner Kundin, für ihre Bereitschaft ihre Erlebnisse,
Erfahrungen und Erkenntnisse mit uns zu teilen und ich wünsche ihr von ganzem Herzen alles Gute.

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